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Hi, Stockholm-Barbie

By Klara Schlemmer (Instagram: @klara.schlemmer

Viele Frauen hatten letztes Jahr ein neues Lifestyle-Goal: Clean Girl werden. Eng verbunden mit dem Wunsch, nach Stockholm auszuwandern. Clean Girls vermitteln das Gefühl, trotz ihrer Anfang 20 ihr Leben besser unter Kontrolle zu haben als manche Mütter ihre Kinder. Aber was macht ein Clean Girl überhaupt aus?

Als Clean Girl kehrt man zu seinem natürlichen Ich zurück. Die 10 cm langen, roten Krallen werden zu kurzen French Nails. Ihr Lieblingsgetränk ist Matcha, ihr Lieblingssport ist Reformer Pilates, ihr Lieblingsoutfit eine Straight-Leg-Jeans mit einem weißen, engen Shirt (aber nicht zu eng!) und Adidas-Sneakern. Ihr Lieblingsessen: Salat-Bowls, Smoothie-Bowls oder Obst-Bowls – Hauptsache Bowls. Ihre Lieblingsfreizeitbeschäftigung: Backen (aber nicht die „schnellen und leckeren Rezepte“, sondern die, die viel Schweiß und Arbeit erfordern). Ihr Go-to-Essential: Stanley Cup und Tuchmasken. Ihr Makeup besteht darin, so auszusehen, als würden sie keins tragen. Ihre Uhrzeit zum Aufstehen ist 6 Uhr. Ihre Feinde sind Balken-Augenbrauen und die Ästhetik von Mob Wives.

Clean Girls vermitteln das Gefühl, als wären sie ganz bei sich selbst, als hätten sie ihre Mitte gefunden. Sie wissen, welcher Termin in 52 Tagen ansteht und welchen Aszendenten ihre Freunde haben. Sie haben die Balance zwischen Freizeit, Arbeit und Me-Time studiert. Der moderne Ritterschlag: die Behauptung von anderen, man wäre ein Clean Girl. Übersetzt: Sie denken, man wäre perfekt.

Der Ursprung der Clean Girls

Aber wieso verknüpfen wir jetzt die Stockholm-Girls mit den Clean-Girls? Die Stockholm-Girls verkörpern nicht nur den Stockholm-Style, sondern haben ihn erschaffen. Reist man nach Stockholm, Kopenhagen oder Helsinki, bekommt man überall das Gleiche – mehr Ruhe und mehr Selbstzweifel. Die Menschen sehen nicht nur aus, als hätten sie einen Facetune-Filter aufgelegt, sondern strahlen so viel Ruhe aus, als wären sie gerade von ihrer Therapiestunde gekommen. Man starrt sie schon fast an, weil man schließlich doch einen Makel finden muss. Aber das ist nicht alles: Man fragt sich, ob sie ein wirklich besseres Leben führen oder ob es an dem Lebensgefühl der skandinavischen Länder liegt. Sollte man für die Ruhe, Entspannung und ein entspanntes Nervensystem den Wohnsitz wechseln oder möchte man eher die Ausstrahlung und das Lebensgefühl der Menschen erreichen?

Stockholm

Der Weg der Stockholm-Influencer in unsere Herzen

Wer liebt es schließlich nicht, sich ein Leben anzuschauen, zu dem das eigene Leben nicht unterschiedlicher sein könnte? Morgens im Bett entspannt zu journalen, statt den ersten Blick aufs Handy zu werfen. Der erste Weg führt nicht gehetzt zur U-Bahn, sondern zum Bäcker, um ein Kardamombrötchen zu holen und einen Kaffee zu trinken. Nach dem Abdrehen von Kooperationen folgt das Backen. Dabei wird keine Musik und kein Podcast gehört, denn wer möchte nicht mit seinen Gedanken allein sein? Typisch für „Stockholm-Influencer“ aus der Aesthetic-Bubble ist auch das Stricken der eigenen Klamotten und das Besorgen des Abendessens aus dem Wald. Man selbst steht im Supermarkt und überlegt, doch lieber die Reiswaffeln statt der Gummibärchen zu nehmen. Und auch wenn diese Influencer für ihren märchenhaften Alltag belächelt werden, überwiegt dennoch die Faszination und der Neid: das Gefühl eines entspannten Nervensystems und das Gefühl von innerer Ruhe und Frieden.

Unser Alltag ist nicht schlechter, weil wir nicht drei Stunden Zimtschnecken backen. Er scheint nur durch den andauernden Stress, den wir uns selbst auferlegen, schlimmer zu sein. Oft legen wir unseren Wert auf Schnelligkeit und Perfektionismus, während unser Alltag an uns vorbeizieht. Und vielleicht ist die gegenteilige Herangehensweise genau das Geheimrezept der erfolgreichen skandinavischen Influencer.

Dieser Gast-Beitrag wurde geschrieben von Klara Schlemmer. Hier findet ihr ihre Instagram-Account: @klara.schlemmer


Ausgabe November 2026

ANDERS, ABER GLEICH

Verschiedene Persönlichkeiten, ein gemeinsames Menschsein

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