Sport wieder anfangen
Warum sich ein Blick zurück in die Kindheit lohnt
Die schlechteste Mannschaft der Region zu sein, hat einen unterschätzten Vorteil, denn wenn man einmal 207:10 verliert, und ja, das ist mir mit meinem Basketballteam tatsächlich passiert, bleibt einem gar nichts anderes übrig, als drüber zu lachen. Wir waren damals, ich glaube in der 7. Klasse, ein komplett neues und junges Team, in dem kaum jemand so richtig wusste, was er da eigentlich tat. Wir ahnten vor jedem Spiel, dass das nichts wird, und trotzdem ging es nach jeder Niederlage direkt weiter zum nächsten Training, weil es einfach Spaß gemacht hat.
Beim Reiten war es ähnlich, ich bin richtig oft runtergefallen, wir sind ausschließlich in der Halle immer im Kreis geritten, was ehrlich gesagt ziemlich öde war. Und ich glaube, ich habe es vor allem gemacht, weil es alle gemacht haben, aber dann war es eben doch toll, weil meine Schwester, meine Cousine und ein paar Freunde dabei waren. Wichtig war: Ich bin immer wieder aufgestanden und aufs Pferd gestiegen.
Als Teenager habe ich ein ganzes Jahr gespart, um mir eine Woche Basketball-Bootcamp mit richtigen NBA-Spielern leisten zu können. Auch dort war ich eher eine der Schlechteren, hatte aber eine riesige Lernkurve, wurde gelobt und wurde besser. Irgendwann habe ich Sport sogar studiert und zu meinem Job gemacht, wovon meine alten Sportlehrer vermutlich ziemlich überrascht wären.
Ich war also nie der Sportstar, aber ich habe es durchgezogen, und das lag ganz sicher nicht an eiserner Disziplin, sondern daran, dass es Spaß gemacht hat.
Jetzt, wo der Herbst kommt, gefühlt alle wieder Vorsätze fassen und die Studios sich füllen, wollte ich wissen, was die Forschung sagt, wenn man Sport wieder anfangen möchte, und das Ergebnis hat mich in meiner Basketball-Vergangenheit ziemlich bestätigt.
Sport wieder anfangen: Warum der Spaß beim Tun zählt
Der Klassiker unter den Motivationstricks lautet, man solle sich vorstellen, wie großartig man sich nach dem Training fühlen wird, aber laut einem Review von Rhodes und Kates, der 24 Studien ausgewertet hat, hing vor allem ein positives Gefühl während moderater Bewegung mit späterer Aktivität zusammen, während das Befinden nach dem Sport keinen Zusammenhang zeigte. Das heißt nicht, dass das gute Gefühl danach nichts wert wäre, aber es deutet darauf hin, dass es sich lohnt, eine Bewegung zu suchen, die sich schon währenddes Tuns gut anfühlt, statt sich durch etwas zu quälen, für das man sich hinterher belohnen muss. Semantic Scholar
Und warum Teamsport eine gute Idee sein kann
In einer Untersuchung von Chekroud und seinem Team mit rund 1,2 Millionen US-Erwachsenen zeigten sich die größten Zusammenhänge mit weniger belasteter mentaler Gesundheit bei Teamsport (22,3 Prozent), Radfahren (21,6 Prozent) und Aerobic oder Gym (20,1 Prozent), und die Forschenden vermuten, dass soziale Aktivitäten vor Rückzug und Isolation schützen könnten. Ehrlicherweise ist das eine Momentaufnahme mit selbst berichteten Angaben, es könnte also genauso gut sein, dass Menschen, denen es ohnehin besser geht, eher in Teams landen, und mehr Sport war auch nicht automatisch besser, denn die größten Effekte zeigten sich bei etwa 45 Minuten, drei- bis fünfmal pro Woche. Mein Reit-Beispiel passt trotzdem verdächtig gut dazu, denn eigentlich war das Im-Kreis-Reiten öde, aber mit Schwester, Cousine und Freunden war es toll, und das ist meine Lesart, nicht die der Studie. Association between physical exercise and mental health in 1·2 million individuals in the USA between 2011 and 2015: a cross-sectional study – ScienceDirect +2

Sport wieder anfangen: In fünf Schritten zu deinem Sport
Der Start ist das Schwierigste, und deshalb würde ich ihn nicht als Vorsatz sehen, sondern als kleine Reise mit Ausprobieren, Testen und ein bisschen Mut. Der Ablauf ist als Ganzes nicht wissenschaftlich getestet, sondern meine Übersetzung der Studien in etwas Machbares, und du darfst alles streichen, was nicht zu dir passt.
1. Alte Sportarten ausgraben. Schreib dir auf, was du als Kind oder Teenager alles gemacht hast, ganz egal, wie schlecht du warst, bei mir wären das Basketball, Reiten und ein bisschen Dorf-Sport, und markiere die, bei denen du gelacht hast, denn dort steckt vermutlich genau der Spaß, den die Forschung meint.
2. Jemanden mitziehen. Frag eine Freundin, deine Schwester oder Kolleginnen und Kollegen, ob sie mitkommen, sei es zum Padel, zum Schwimmen oder eben zum Basketball, denn selbst das Im-Kreis-Reiten war mit den richtigen Leuten toll.
3. Wie ein Test starten statt wie ein Vertrag. Probetraining, Schnupperstunde oder offene Feierabendrunde sind eine gute Möglichkeit, verschiedene Sportarten auszuprobieren, bevor du dich für ein Jahr festlegst, und das gilt auch für Joggen, Walking oder Nordic Walking, das übrigens ursprünglich als Sommertraining für finnische Skilangläufer entwickelt wurde. aok
4. Das Niete-Sein einplanen. Die ersten Male fühlen sich vermutlich schlecht an, bei mir waren es Niederlagen, Stürze und ein Bootcamp, in dem ich eher zu den Schwächeren gehörte, aber genau dort war bei mir die Lernkurve am steilsten, du darfst dir also erlauben, erst mal schlecht zu sein.
5. Danach fragen, wie es sich angefühlt hat, nicht ob du gut warst. Wenn sich die Bewegung schon während des Tuns gut angefühlt hat, hast du vermutlich etwas gefunden, das du wiederholst, und wenn nicht, ist die nächste Sportart dran, ganz ohne schlechtes Gewissen.
Heute geht es beim Sport vielleicht um Gesundheit, Beweglichkeit und Ausdauer, und das ist alles wichtig, aber es klappt eben nur, wenn der Spaß dabei ist. Wer Sport wieder anfangen will, findet den Startpunkt womöglich irgendwo in der eigenen Kindheit, und ich würde mich nicht wundern, wenn die Sportart, die dich langfristig bei der Stange hält, dort im Keller liegt. Welche war deine, und wen nimmst du mit?

Mehr Glücksforschung findest du hier
Quellen:
OK. (2026, 12. Februar). Nordic Walking: So effektiv ist das Ausdauertraining mit Stöcken. AOK-Gesundheitsmagazin. https://www.aok.de/pk/magazin/sport/fitness/nordic-walking-das-ideale-ausdauertraining/
Chekroud, S. R., Gueorguieva, R., Zheutlin, A. B., Paulus, M., Krumholz, H. M., Krystal, J. H., & Chekroud, A. M. (2018). Association between physical exercise and mental health in 1·2 million individuals in the USA between 2011 and 2015: A cross-sectional study. The Lancet Psychiatry, 5(9), 739–746. https://doi.org/10.1016/S2215-0366(18)30227-X
Rhodes, R. E., & Kates, A. (2015). Can the affective response to exercise predict future motives and physical activity behavior? A systematic review of published evidence. Annals of Behavioral Medicine, 49(5), 715–731. https://doi.org/10.1007/s12160-015-9704-5







