Zeigarnik-Effekt
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Der Zeigarnik-Effekt macht deinen Urlaub kaputt

Warum dein Kopf auch im Urlaub nicht abschaltet

Der Urlaub ist geplant, die Vorfreude riesig und trotzdem sitzt du an deinem letzten Arbeitstag noch bis 18 Uhr am Schreibtisch und versuchst, wirklich alles abzuhaken. Weil du ja entspannt in den Urlaub starten willst. Ironisch, oder? Dabei kennen das die meisten, dieses Gefühl kurz vor der Auszeit. Projekte drängen, Kollegen fragen noch schnell, die To-do-Liste wächst statt zu schrumpfen. Und irgendwo im Hinterkopf sitzt dieser Anspruch: Ich hinterlasse einen leeren Schreibtisch, ich gehe erst, wenn alles erledigt ist. Was dahinter steckt, hat einen Namen und wenn du ihn kennst, wird einiges klarer: Der Zeigarnik-Effekt

Die Psychologin Bljuma Zeigarnik entdeckte in den 1920ern etwas Faszinierendes: Menschen erinnern sich an unerledigte Aufgaben deutlich besser als an abgeschlossene. Unser Gehirn hält offene Dinge aktiv im Arbeitsspeicher, quasi als innere Erinnerungshilfe, bis sie erledigt sind. Praktisch im Alltag, ziemlich nervig im Urlaub.

Denn genau deshalb schleppen wir die halbfertigen Projekte und offenen Mails gedanklich mit in die Auszeit. Nicht weil wir nicht loslassen wollen, sondern weil unser Kopf so gebaut ist. Das ist kein Charakterfehler, das ist Neurologie.

Das Problem dabei: Ein wirklich leerer Schreibtisch vor dem Urlaub ist in den meisten Jobs schlicht unrealistisch. Also versuchen viele, sich die Auszeit vorher rauszuarbeiten oder danach alles aufzuholen, manchmal sogar beides. Dass das die Erholung massiv sabotiert, liegt auf der Hand, passiert aber trotzdem Jahr für Jahr.

Den Zeigarnik-Effekt austricksen? So geht´s

Hier wird’s praktisch, denn du kannst deiner Psyche dabei helfen, offene Aufgaben loszulassen, ohne sie wirklich abschließen zu müssen. Der Trick ist simpel: Schreib auf, auf welchem Stand eine Aufgabe ist und wie du sie nach dem Urlaub wieder aufnehmen willst.

Klingt fast zu einfach, funktioniert aber erstaunlich gut. Wenn dein Gehirn sieht, dass es einen Plan gibt, stuft es die Aufgabe als „versorgt“ ein und lässt sie los. Der Zeigarnik-Effekt lässt sich also mit einem guten Übergabe-Dokument oder einer detaillierten Notiz fast vollständig neutralisieren.

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Der Chef, das Team und das schlechte Gewissen

Urlaub ist manchmal auch eine zwischenmenschliche Angelegenheit. Der Auszeit kommt dem Chef gerade nicht in den Plan, die Kollegen müssen einspringen, und du willst niemandem zur Last fallen. Das ist verständlich, führt aber dazu, dass zum psychologischen Druck noch ein sozialer dazukommt.

Was hilft: Dir bewusst machen, dass deine Erholung auch dem Team nutzt. Wer erholt zurückkommt, arbeitet besser, ist belastbarer und bringt langfristig mehr Leistung. Urlaub ist keine Schwäche, er ist Investition in dich und in deine Arbeit. Verrückt eigentlich, dass ich dazu einen ganzen Abschnitt schreibe, oder? Sollte doch selbstverständlich sein. Wenn wir da einmal nach Finnland schauen sieht das nämlich um einiges Entspannter aus. Hier sind im Sommer die meisten Büros entweder auf absoluter Sparflamme oder einfach leer. Sommer ist Pause, Pause ist Urlaub. Der ein oder andere schaut sicherlich mal in die Mails, aber im Grunde ist Urlaub wirklich Urlaub und der Sommer einfach FREI!

Nach dem Urlaub: Bloß kein Vollgas ab Tag eins

Jetzt zum Teil, den die meisten unterschätzen: die Rückkehr. Da warten unzählige Mails, liegengebliebene Anfragen und das Gefühl, sofort wieder anknüpfen zu müssen, als wärst du nie weg gewesen. Der Erholungseffekt des Urlaubs? Verpufft innerhalb von Tagen.

Auch das ist psychologisch belegt. Forscher nennen es den Fade-Out-Effekt. Studien zeigen, dass die positiven Effekte eines Urlaubs in vielen Fällen bereits nach ein bis zwei Wochen vollständig verschwunden sind, vor allem dann, wenn man direkt ab dem ersten Arbeitstag wieder Vollgas gibt.

Was wirklich hilft: Die erste Woche nach dem Urlaub so frei wie möglich halten, so wenig Termine wie möglich, so viel Puffer wie möglich. Wer nach und nach wieder reinkommt statt sofort zu sprinten, trägt das Urlaubsgefühl spürbar länger mit sich. Daher wirklich nur das erledigen du einplanen, was vor dem Urlaub noch angestanden hat. Keine Deadlines und keine neuen Projekte in Woche 1.

Ein kleiner Trick, der mir persönlich viel bringt: den Urlaub in der Wochenmitte enden lassen. Wer Mittwoch oder Donnerstag zurückkommt, hat nur ein paar Tage bis zum Wochenende und kann sich schon auf die nächste kleine Auszeit freuen, bevor der Alltag wieder richtig Fahrt aufnimmt.

Das ganze Jahr über: Aufhören, bevor der Tank leer ist

Was für den Urlaub gilt, gilt eigentlich immer. Aufgaben in kleine Häppchen verpacken, am Ende des Tages kurz notieren wie es weitergeht, und dann wirklich Feierabend machen. Nicht erst wenn alles erledigt ist, sondern wenn die Zeit um ist.

Denn wer regelmäßig auflädt, läuft gar nicht erst leer und braucht nach dem Urlaub auch keinen zweiten Urlaub, um sich vom Stress davor zu erholen.


Kategorie Work-Life-Balance

Noch mehr Tipps zur Work-Life-Balance findest du hier:

Quellen:
Masicampo, E. J., & Baumeister, R. F. (2011). Consider it done! Plan making can eliminate the cognitive effects of unmet goals. PubMed.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21688924/

Harvard Business Review. (2023). How Taking a Vacation Improves Your Well-Being.
https://hbr.org/2023/07/how-taking-a-vacation-improves-your-well-being

American Psychological Association. (2018). Vacation time recharges US workers, but positive effects vanish within days.
https://www.apa.org/news/press/releases/2018/06/vacation-recharges-workers

American Psychological Association. (2019). Give me a break.
https://www.apa.org/monitor/2019/01/break

de Bloom, J., Geurts, S. A. E., & Kompier, M. A. J. (2013). Vacation (after-)effects on employee health and well-being, and the role of vacation activities, experiences and sleep.
https://link.springer.com/article/10.1007/s10902-012-9345-3

Nawijn, J., Marchand, M. A., Veenhoven, R., & Vingerhoets, A. J. J. M. (2010). Vacationers Happier, but Most not Happier After a Holiday.
https://link.springer.com/article/10.1007/s11482-009-9091-9

MacLeod, C. M. (2020). Zeigarnik and von Restorff: The memory effects and the stories behind them. Memory & Cognition.
https://link.springer.com/article/10.3758/s13421-020-01033-5

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