Vorfreude auf den Sommer
Warum uns das so glücklich macht
Irgendwann passiert es jedes Jahr ganz automatisch: Die Tage werden länger, die ersten warmen Abende tauchen auf und plötzlich fängt man an, vom Sommer zu reden, als wäre er ein konkreter Plan. Und die Vorfreude auf den Sommer steigt!
Man denkt an lange Abende draußen, an Reisen, Grillabende, Seen, offene Fenster und dieses spezielle Gefühl, dass das Leben zwischen Juni und August irgendwie leichter wirkt. Und genau darin steckt etwas Interessantes: Nicht nur der Sommer selbst macht viele Menschen glücklich, sondern schon die Vorfreude darauf.
Besonders rund um Mittsommer zeigt sich das ziemlich deutlich.
Warum Vorfreude uns tatsächlich glücklicher machen kann
Vorfreude ist mehr als nur ein nettes Gefühl. Psychologisch betrachtet aktiviert sie im Gehirn ähnliche Belohnungssysteme wie das eigentliche Erlebnis selbst.[1]
Das bedeutet: Sich auf etwas Schönes zu freuen, kann die Stimmung bereits vorher verbessern.
Deshalb fühlen sich die ersten warmen Frühlingstage oft so gut an. Sie erinnern uns daran, dass etwas bevorsteht: mehr Licht, mehr Zeit draußen, mehr spontane Abende und allgemein ein anderer Rhythmus als im Winter.
Kurz gesagt: Der Sommer kündigt sich an und unser Gehirn reagiert ziemlich positiv darauf.
Warum der Sommer für viele Menschen emotional so aufgeladen ist
Der Sommer hat etwas, das andere Jahreszeiten oft nicht schaffen: Er verbindet Erinnerungen, Freiheit und bestimmte Routinen miteinander.
Viele Menschen verbinden den Sommer automatisch mit:
- Urlaub
- langen Abenden
- Reisen
- Festivals
- Zeit am Wasser
- weniger Stress
- mehr Spontaneität
Dazu kommt das Licht. Mehr Tageslicht beeinflusst nachweislich unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und die Produktion von Serotonin, also genau die Prozesse, die sich auf Energie und Stimmung auswirken.[2]
Deshalb fühlen sich dunkle Wintertage oft schwerer an als ein heller Abend Ende Juni.

Mittsommer: Die Vorfreude auf den längsten Tag des Jahres
In Skandinavien wird diese Vorfreude fast zelebriert.
Mittsommer, in Schweden „Midsommar“, in Finnland „Juhannus“, gehört dort zu den wichtigsten Festen des Jahres. Gefeiert wird rund um die Sommersonnenwende im Juni, also rund um den längsten Tag des Jahres.
Und nach monatelangem Winter versteht man ziemlich schnell, warum.
Wenn es im Norden plötzlich bis spät in die Nacht hell bleibt, verändert sich der Alltag komplett. Menschen sitzen länger draußen, treffen Freunde, fahren an Seen oder verbringen das Wochenende im Sommerhaus.
Mittsommer ist deshalb weniger ein einzelner Feiertag, eher ein kollektives Aufatmen nach dem Winter.
Warum uns konkrete Pläne glücklich machen
Ein weiterer Punkt: Vorfreude funktioniert besonders gut, wenn sie mit konkreten Plänen verbunden ist.
Schon kleine Dinge reichen dafür oft aus:
- ein geplanter Kurztrip
- ein Konzert
- ein Grillabend
- Urlaubstage im Kalender
- das erste Frühstück draußen
- ein Wochenende am Meer
Unser Gehirn mag Dinge, auf die es sich vorbereiten kann. Genau deshalb fühlt sich selbst ein geplanter Sommerabend manchmal besser an als ein komplett freier Sonntag ohne Idee.
Gemeinschaft macht einen großen Unterschied
Gerade Mittsommer zeigt außerdem, wie stark gemeinsame Rituale wirken können.
Zusammen essen, draußen sitzen, Musik hören oder gemeinsam feiern klingt erstmal simpel, hat aber tatsächlich Einfluss darauf, wie verbunden wir uns fühlen.
Viele Traditionen rund um Mittsommer funktionieren deshalb bis heute so gut, weil sie genau das schaffen: Menschen kommen zusammen, verbringen Zeit miteinander und sind draußen unterwegs.
Ganz ohne große Inszenierung.
Warum sich der Sommer oft länger anfühlt als der Winter
Interessanterweise erinnern sich viele Menschen intensiver an Sommermonate als an dunkle Winterwochen.
Das liegt unter anderem daran, dass wir im Sommer häufiger neue Eindrücke sammeln:
- mehr Aktivitäten
- mehr Zeit draußen
- mehr soziale Erlebnisse
- mehr Ortswechsel
Unser Gehirn speichert solche Erlebnisse stärker ab. Deshalb wirken Sommer oft voller, selbst wenn sie objektiv genauso lang sind wie jede andere Jahreszeit.
Die Sache mit der „schönsten Zeit des Jahres“
Natürlich ist nicht jeder automatisch ein Sommermensch. Trotzdem verbinden viele Menschen mit dieser Jahreszeit etwas Positives: mehr Freiheit, mehr Möglichkeiten und ein bisschen weniger Alltag.
Vielleicht macht uns die Vorfreude auf den Sommer deshalb so glücklich, weil sie genau dieses Gefühl transportiert: Dass wieder mehr möglich wird.
Oder einfacher gesagt:
Manchmal reicht schon ein heller Abend im Frühling, damit sich alles ein kleines bisschen leichter anfühlt.

ENDLICH SOMMER
Mittsommer, helle Nächte und warum der Norden den Sommer anders lebt
Quellen:
[1] Quoidbach, Jordi / Dunn, Elizabeth V. / Petrides, K. V.: The anticipation of happiness. In: Current Opinion in Behavioral Sciences, Vol. 26, 2019, S. 123–127. Online unter: https://www.sciencedirect.com/journal/current-opinion-in-behavioral-sciences
[2] Deprato, Andy / Haldar, Prasun / Navarro, José Francisco et al.: Associations between light at night and mental health: A systematic review and meta-analysis. In: Science of The Total Environment, Vol. 974, 2025. Online unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S004896972500823X
