Shopping und Glück
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Shopping und Glück

geschrieben von Klara Schlemmer

Können wir unser Glück in einem Modehaus kaufen?

Fendi, Gucci, Prada – jeder kennt sie, und fast jeder will sie. Doch ist der Hype um diese Designerstücke wirklich berechtigt? Sind sie ein reines Statussymbol oder nebenbei auch stylische Stimmungsaufheller? Gibt es die Kombi aus Shopping und Glück?

Keine wertschätzende Geste, kein Schulterklopfen, sondern eine Designertasche als Belohnung an mich selbst für ein erreichtes Ziel? Häufiger erreichen wir unser Ziel schneller, wenn wir durch eine Belohnung motiviert werden. Es ist bekannt, dass die Aussicht auf künftige Belohnungen die Motivation steigern kann.[1] Problematisch könnte es allerdings werden, wenn die Motivation ausschließlich durch Belohnungen angetrieben wird und es demnach zu übermäßig häufigen Belohnungen kommt.

Ist Label-Shopping eine verharmloste Droge?

Kommt es bei einem Kauf – wie bei einem Drogenkonsum – zu einer übermäßigen Freisetzung von Dopamin, und wir befinden uns in einem Glücksrausch? Wir können süchtig nach diesem Gefühl werden und das kann uns direkt zur Kaufsucht führen – ein Zwang, der oft teurer ist als andere Suchtmittel.

Gleicht eine Shoppingpause einem kalten Entzug, der neben der Verbesserung der finanziellen Situation zeitgleich psychische Beschwerden hervorrufen kann? Das würde unter anderem erklären, warum die größten Modehäuser niemals ihren Hype verlieren. Festgestellt wurde, dass der Kauf von materiellen Dingen nur einen kurzen Hype von Glücksgefühlen bringt. Der Kauf von Erlebnissen, wie Konzertkarten, Urlaub etc. hingegen bereitet uns Glücksgefühle, die längerfristig sind. [2]

Glück finden durch Shoppingkäufe?

Warum macht uns Shoppen glücklich? Die einen haben das nötige Kleingeld übrig, die anderen hingegen sparen mehrere Monate darauf, verschulden sich möglicherweise sogar. Sie bevorzugen lieber eine Handtasche als  einen Sommerurlaub – aber wofür? Für das kurze Glücksgefühl nach einem Kauf? Durch Einkaufen werden Glückshormone, wie Dopamin, erzeugt.

Wir geben manchmal Unsummen für Designerteile aus, für die man sich stattdessen einen gebrauchten Kleinwagen leisten könnte. Doch lohnt sich der Dopaminrausch? Wer regelmäßige Glücksgefühle durch Shoppen erleben will, ist dem Risiko ausgesetzt, dass das Gefühl nach einiger Zeit nicht mehr so vorhanden ist wie am Anfang.[3]

Doch was kann man dagegen machen? Ein neuer Trend ist das Dopaminfasten, auch „Dopamin Detox“ genannt. Dafür sucht man sich einen möglichst ruhigen Ort und vermeidet alles, was zu einer Dopaminausschüttung führen kann. Die Idee ist, unser Gehirn von dem hohen Dopaminlevel durch das Meiden von Faktoren, die zur Dopaminausschüttung führen können, zu beruhigen.[4]

Shopping und Glück

Liegt die Last einer Kaufsucht auf den Schultern der sozialen Medien?

Was sicherlich nicht förderlich bei einer Kaufsucht ist: Social Media. Denn neben den unendlichen Schönheitsvergleichen, die durch Social Media entstehen, wird, unter anderem durch Influencer, auch das Verhalten einer Kaufsucht normalisiert. Es zeigte sich, dass durch die Nutzung der sozialen Medien ein erhöhtes Kaufverhalten entstehen kann. [5]

Dazu zählen vor allem Jugendliche als gefährdete Zielgruppe. Es ist naheliegend, dass sich das auf das Wohlergehen auswirkt. Jeden Tag neue Outfits, teurer Schmuck und mindestens ein Luxusartikel – ein Muss, damit ein weißes Shirt und eine Jeans mit dem dazugehörigen Accessoire als „Look“ bezeichnet werden können. Wenn man sich nicht in der Pinterest-Bubble befindet, sondern in der Stadt spazieren geht, wird uns auffallen, dass die wenigsten, die uns über den Weg laufen, wie jeder Zweite auf Pinterest gekleidet sind. Oft sind wir so verblendet von dem realitätsfernen Inhalt in den sozialen Medien, dass wir keinen objektiven Blick für die Realität haben.

Dauerhaftes Glück möglich?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich auszahlt, einen „Social-Media-Entzug“ zu machen. Es ist erstaunlich und zugleich erschreckend, wie viel produktiver der Tag ist. Die Angst, etwas zu verpassen, nimmt nach und nach ab. Das Leben ist mehr im Hier und Jetzt. Oft verlieren wir uns in unserer so schnelllebigen Welt selbst und sind immer wieder auf der Suche nach dem großen Glück. Wir versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen, um die maximalen Glücksgefühle zu erreichen. Dabei übersehen wir so oft die einfachen, wertvollen, täglichen Kleinigkeiten – Meditation, Sport und Journaling reichen oft schon aus, um glücklich zu sein.


Ausgabe Januar 2026

Das Glück der kleinen Erwartungen

Von der Kunst, nicht zu viel zu wollen und trotzdem erfüllt zu sein

Quellen:

[1] Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. (2017). Intrinsische und extrinsische Motivation. https://www.lpb-bw.de/fileadmin/Abteilung_III/jugend/pdf/ws_beteiligung_dings/2017/ws6_17/intrinsische_extrinsische_motivation.pdf

[2] Kalaidos Fachhochschule. (n.d.). Kauf dich glücklich. https://www.kalaidos-fh.ch/de-CH/Blog/Posts/Archiv/wp-1104-Kauf-dich-gluecklich

[3] ARD alpha. (n.d.). Kaufsucht – Symptome erkennen & behandeln: Kaufen als psychische Erkrankung. https://www.ardalpha.de/wissen/psychologie/kaufsucht-symptome-erkennen-behandeln-kaufen-therapie-psychische-erkrankung-100.html

[4] AOK. (n.d.). Von Dopamin und Suchtverhalten – bis zu Dopamin-Detox. https://www.aok.de/pk/magazin/koerper-psyche/sucht/von-dopamin-und-suchtverhalten-bis-zu-dopamin-detox/

[5] Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. (2022). Social Media, Influencer-Marketing & Jugendliche: Konsumverhalten fair gestalten. https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/2022/social-media-influencer-marketing-jugendliche-konsum-verhalten-fair.html

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